Weshalb unsere Gemeinden und Städte gegen Food Waste kämpfen können - und sollen

Arianna Terzago

2 months ago

Heute, am 29. September 2020, ist der Internationale Tag der Aufmerksamkeit für Lebensmittelverschwendung und -verlust der Welternährungsorganisation (englisch auch International Day of Awareness of Food Loss and Waste der Food and Agriculture Organization of the United Nations FAO). Der Hintergrund: Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel weltweit wird verschwendet - und darauf möchte die FAO heute aufmerksam machen. Auch wir von Too Good To Go möchten den Tag nutzen, um aufzuzeigen, wie problematisch Lebensmittelverschwendung (englisch Food Waste) ist. Und gleichzeitig haben wir eine Idee, wie du in deiner Gemeinde oder Stadt dazu beitragen kannst, dass weniger Essen verschwendet wird.


Food Waste lässt sich beziffern

Lebensmittelverschwendung wirkt sich stark negativ auf die Umwelt aus. Der Weg vom Feld auf den Teller ist ein weiter, bei dem zahlreiche Ressourcen – etwa für Transport, Verarbeitung oder Kühlung – aufgebracht werden. Was heisst das in Zahlen?

In der Schweiz werden jährlich 2.8 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Das sind 620 Schweizer Franken an Lebensmitteln pro Person und Jahr, die zwar gekauft, aber nicht gegessen werden (foodwaste.ch).

Ein Viertel der Umweltbelastung der Ernährung der Schweiz sind laut dem Schweizer Bundesamt für Umwelt auf vermeidbare Lebensmittelverluste zurückzuführen. Dies entspricht etwa der halben Umweltbelastung, die hierzulande durch Autos und andere Kraftfahrzeuge verursacht wird (BAFU).

28 Prozent der Lebensmittelverschwendung wird im eigenen Haushalt von Schweizer*innen verursacht. In der Gastronomie gehen vergleichsweise 7 Prozent, im Detailhandel 10 Prozent verloren (foodwaste.ch).



Weniger Lebensmittelverschwendung in Schweizer Städten

Gemeinsam mit unseren fast 970’000 registrierten Nutzer*innen und den über 3’000 Partnerbetrieben auf unserer App haben wir in der Schweiz bereits mehr als 1.6 Millionen Mahlzeiten vor der Verschwendung bewahrt. Gerettet wird landesweit, in Gemeinden und Städten aller Kantone. Mit jedem geretteten Überraschungspäckli trägst du dazu bei, dass es in deiner Gemeinde oder Stadt weniger Lebensmittelverschwendung gibt. Und jetzt mal rein hypothetisch: Was, wenn bald kaum mehr etwas verschwendet wird? Was, wenn du in einer “Zero Food Waste”-Gemeinde oder -Stadt leben könntest?

Wie viele andere Länder auch, hat sich die Schweiz vor fünf Jahren gegenüber den Vereinten Nationen dazu verpflichtet, bis 2030 die Lebensmittelverluste pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren. Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, gehört zu einem der Ziele für nachhaltige Entwicklung (englisch Sustainable Development Goals, SDGs). Letztere sollen weltweit der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen. Trotzdem hat sich bisher noch nicht viel getan. Denn Lebensmittelverschwendung ist ein komplexes Thema - und ein Problem, dass sich schnell anfühlen kann, als könnte man es selber nicht lösen.



Gemeinden und Städte können den Unterschied machen

Wir von Too Good To Go denken, dass Gemeinde und Städte dazu beitragen können, die hochgesteckten Ziele der Vereinten Nationen zu erreichen. So auch diese in der Schweiz. Weshalb? Gemeinden und Städte sind grundsätzlich in der Lage, festzustellen, wo genau Lebensmittelverschwendung anfällt. Die Verwaltungen wissen idealerweise, was und welche Mengen davon die Menschen in ihren Hauskehricht werfen. Entsprechend könnten die Gemeinde- und Stadtregierungen viel gezieltere Massnahmen ergreifen und den Fortschritt drastisch beschleunigen. Sie können aktiv dazu beitragen, den SDGs näherzukommen, beispielsweise mit folgenden Massnahmen:

  • Trennung von organischem Abfall von allen anderen Abfallarten

  • Messung und Rückverfolgung dessen, was und von wem was verschwendet wird

  • Umverteilung übrig gebliebener Lebensmittel

  • Verarbeitung aller übrig gebliebener Lebensmittel (z.B. Energie, Treibstoff, Tierfutter)


In den Schweizer Städten kämpfen neben Too Good To Go viele private Organisationen gegen Lebensmittelverschwendung. Ausgehend von den Regierungen und Verwaltungen der Städte und Gemeinden gibt es jedoch schweizweit kaum Initiativen. Erst mit fortschreitender Zeit scheinen letztere das Problem der Lebensmittelverschwendung zu erkennen, zu messen und aktiv angehen zu wollen.

Doch die Uhr zu den Klimazielen 2030 tickt immer lauter. Daher unser Aufruf an dich: Rette noch mehr leckeres Essen zu tollen Preisen in deiner Nähe. Erzähle Familie und Freunden davon und sprich mit deinem Umfeld über Lebensmittelverschwendung. Mache deine Wohngemeinde oder -stadt auf ihre Macht aufmerksam - denn je mehr “Zero Food Waste”-Gemeinden oder -Städte es gibt, desto eher können wir etwas bewirken. Nur, wenn wir alle an einem Strang ziehen, kommen wir den internationalen SDGs und letztendlich unserem Ziel von einem Planeten ohne Lebensmittelverschwendung näher. Auf geht’s! 

Arianna Terzago

Content and community manager