Waste Warrior des Monats: Claudio Berretta

Claudio Beretta ist der Vereinspräsident von foodwaste.ch, einem unabhängigen Verein, der sich der Information und Aufklärung zum Thema Lebensmittelverschwendung verschrieben hat. Claudio ist eine treibende Kraft in der Schweiz, wenn es um den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung geht. Und nicht nur das, er steht uns nämlich auch immer tatkräftig zur Seite und dank ihm können wir wichtige Zahlen und Daten zum Thema Food Waste in der Schweiz mit euch teilen. Deshalb ist er unser Waste Warrior des Monats! Wir haben ihm einige Fragen gestellt.

Lieber Claudio, erzähle uns ein bisschen über dich selbst. Was ist dein Werdegang?

Ich bin im Tessin und Fricktal aufgewachsen und hatte eine so schöne Kindheit, dass es mir schwer fiel sie zu verlassen, um erwachsen zu werden (mein Kind lebt immer noch sehr stark in mir). Je mehr mir bewusst wurde, dass die meisten Menschen um mich herum ohne böse Absicht auf eine Art konsumieren, welche zukünftigen Kindern so eine schöne Kindheit verunmöglichen wird, desto grösser wurde mein Bedürfnis, den Menschen die Augen zu öffnen. Ich weiss, dass ich mich mit diesem Ziel völlig überfordern könnte. Ich versuche deshalb, mich auf einzelne Puzzelsteine zu konzentrieren und mit meiner Energie zu bewirken, was ich kann. Ich spüre dabei von immer mehr Menschen riesige Unterstützung. So habe ich mich für das Studium der Umweltwissenschaften entschieden, um besser zu verstehen, was die langfristigen Folgen unseres Handelns für unsere Lebensgrundlagen bedeuten. Seit der Wahl meines Themas für die Masterarbeit richtet sich mein Fokus auf Lebensmittelabfälle. Ich erforsche die Mengen, Ursachen und Umwelteffekte der Lebensmittelverschwendung und suche nach Lösungen.

Weshalb hast du dich dem Thema Lebensmittelverschwendung gewidmet?

Ich bin überzeugt, dass dieses Thema sehr hohe Priorität verdient, denn damit lässt sich die Mehrheit der Bevölkerung relativ leicht abholen, um die Konsumproblematik besser zu verstehen. Foodwaste vermeiden ist ein guter erster Schritt in Richtung eines verantwortungsvollen Konsumverhaltens, welches uns auf der Suche nach Glück unterstützt.

Was ist deine Vision und wie möchtest du diese umsetzen?

In Bezug auf Essen träume ich von einer mindestens 95% tierproduktfreien Ernährung, bei der wir Produkte mit Freude im Einklang mit dem Boden anbauen. Tiere werden nicht zur Produktion von tierischen Produkten gehalten, sondern um die Nährstoffkreisläufe zu unterstützen und ein tierwürdiges Leben zu leben. Tierische Produkte sind ein Nebenprodukt dieser Art von Landwirtschaft.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dies umzusetzen. Ich denke, das wichtigste ist, die Bevölkerung über die Absurdität der subventionierten unethischen Massentierhaltung sensibilisieren. Ausserdem wären strengere Richtlinien für die artgerechte Tierhaltung wichtig. Ausserdem müssten die Subventionen von tierischen Produkten abgeschaffen werden und stattdessen der ökologischen Landbau subventioniert werden, mit Anreizen für einen kleinen, artgerecht gehaltenen und weitgehend grünland basierten Tierbestand. Der Effekt wäre, dass das Angebot knapper wird. Dadurch würden die Fleischpreise steigen und Konsumierende bekämen eine echte Wertschätzung der Produkte.

Hast du persönliche Tipps, wie man selbst ganz einfach Lebensmittelverschwendung zu Hause eingrenzen kann?

Mindestens dreimal im Jahr auf einen Tag in einem Gemüsegarten oder auf einem Bauernhof arbeiten und sich mehrmals in der Woche Zeit nehmen, selber und mit Freunden zu kochen und zu backen. Möglichst lokale und saisonale Produkte, am besten auf dem Markt oder beim Bauern direkt einkaufen und auf nachhaltige und faire Produktion achten, z.B. Bio- und Fairtradelabels. Damit werden wir die Lebensmittel automatisch so wertschätzen, dass die üblichen Tipps wie “nicht zu viel einkaufen” sich erübrigen.

Möchtest du unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Kämpfe nicht gegen deine Welt, sondern für deine Welt. Habe Mut, deine Gewohnheiten zu verlassen. Frage so lange in deinem Lieblingsgeschäft nach Brot vom Vortag oder krummen Karotten oder im Restaurant nach kleinen Portionen, bis sie es anbieten. Nur so kommen wir auf den Weg zu wahrhaftem Glück. 

Delila Kurtovic
Waste Warrior

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