Waste Warrior des Monats: Sandro von Äss-Bar

5 months ago

Magst du uns ein paar Dinge über dich erzählen? Wie ist dein Werdegang?

Ich bin am Greifensee aufgewachsen. Mit meiner Familie wohne ich immer noch in der Nähe des See’s in einem 200-jährigen Bauernhaus, das wir vor einigen Jahren mit Freunden umgebaut haben. Wir haben die Natur direkt vor der Haustür und sind gleichzeitig rasch im Zentrum von Zürich.

Ich habe 25 Jahre in der Baubranche gearbeitet. Vorwiegend im Projektmanagement bei einer Generalunternehmung im Tunnelbau (Bahntechnik). Als eines meiner letzten Projekte durfte ich lange Zeit am Gotthard-Basistunnel mitarbeiten und die Eröffnung dieses einmaligen Bauwerks vor Ort erleben.

Mit dem Wachstum der Äss-Bar drängte sich immer mehr die Frage auf, worauf ich in Zukunft meinen Fokus legen möchte? Die Entscheidung für die Äss-Bar ist mir am Ende leicht gefallen, so dass ich mich anfangs 2019 aus der Baubranche verabschiedet habe und mich nun voll und ganz auf die Äss-Bar konzentriere.

Was ist Äss-Bar? Und wie entstand die Idee?

Die Äss-Bar wurde 2013 von vier langjährigen Freunden gegründet. Vorreiter eines solchen Konzepts gab es bereits in Deutschland und Frankreich. Die bestehenden Konzepte im Ausland haben uns begeistert und inspiriert. Wir haben schnell realisiert, dass in der Schweiz etwas Vergleichbares noch nicht existiert.

Die erste Filiale entstand im Niederdorf in Zürich. Auf Grund der guten Kundenresonanz und des hohen Medieninteresses kamen weitere Filialen in der Deutschschweiz und der Romandie hinzu.

Ziel der Äss-Bar ist es, Brot, Backwaren, Sandwiches, Patisserie, etc. vom Vortag noch an den Mann oder die Frau zu bringen. In verschiedenen Bäckereien aus dem jeweiligen Umkreis, werden die Backwaren vom Vortag jeden Morgen und Abend abgeholt und in den eigenen Filialen der Äss-Bar zu stark vergünstig Preisen einen weiteren Tag verkauft – ganz nach dem Motto <frisch von gestern>. So leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung von Foodwaste!

Was bedeutet Food Waste für dich?

Wenn du einmal selbst in einem Lebensmittelgeschäft am Ende des Verkaufstages aufräumen musst und mit erlebst, wie viele Produkte einfach weggeworfen werden, dann ist das nur schwer zu akzeptieren.

Die Überproduktion, die ständige Verfügbarkeit von Lebensmittel und wie wir mit ihnen umgehen, hat in unserer Gesellschaft ein Ausmass angenommen, das nicht mehr vertretbar ist. Die Auswirkungen der Lebensmittelproduktion auf die Umwelt, den Menschen und die Unmengen an Ressourcen, die verbraucht werden, sind immens.

Essen ist für mich mit Emotionen und Erlebnissen verbunden. Es hat mit Gemeinschaft und teilen zu tun. Man trifft sich an einem Tisch, mit Freunden oder Familie, tauscht sich aus, lässt sich gegenseitig am Leben teilhaben und geniesst das Essen dazu – Food Waste lässt mich nicht kalt.

Das Schöne ist, es kann jeder von uns dazu beitragen kann, dass weniger Food Waste entsteht. Dazu sind keine grossen Anstrengungen notwendig. Das motiviert mich persönlich und macht es einfach, andere zu begeistern sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Wie können wir unsere Zukunft nachhaltiger gestalten?

Ich glaube die Möglichkeiten sind unendlich vielfältig. Food Waste ist nur ein Thema unter vielen, welches unter dem Begriff Nachhaltigkeit aufgeführt werden kann. Meiner Meinung nach geht es darum die Zusammenhänge und Auswirkungen unserer täglichen Entscheidungen besser zu verstehen und einordnen zu können.

Es gibt aus meiner Sicht systemrelevante Themen, die nur mit grossem Aufwand, entsprechendem Druck und breiter Unterstützung der Gesellschaft verändert werden können. Die Entwicklung dahin ist heute bereits vorhanden und wird noch deutlich zunehmen.

Auf der anderen Seite gibt es viele kleine, alltägliche Dinge, die jeder von uns selbst in der Hand hat. Wo und wie kaufe ich ein (nicht nur Lebensmittel), was bedeutet Mobilität für mich, welche Sicherheiten benötige ich für mein Leben, wie konsumiere ich, etc.

Am Ende stellt sich die Frage, was will ich der nächsten Generation mitgeben? Übernehme ich die Verantwortung, um Lösungen für die Zukunft zu schaffen oder überlasse ich die Herausforderungen einfach anderen.

Nicht vergessen darf man bei all diesen Themen aber auch, dass das Leben in erster Linie Freude machen soll. Ich bin fest überzeugt, dass wir langfristig die Menschen für Veränderungen nur begeistern, wenn wir das Gute darin hervorstreichen. Der Mahnfinger kann zur rechten Zeit nützlich und notwendig sein, wird aber keine Veränderung bewirken. Dies versuchen wir auch in der Äss-Bar umzusetzen. Unsere Kunden sollen gerne bei uns einkaufen, mit einem guten Gefühl nach Hause gehen und sich an den Produkten freuen, die sie gekauft haben.

Was ist dein liebster Nachhaltigkeits-Tipp?

Bevor du etwas aus deinem Kühlschrank in den Abfalleimer schmeisst, probiere einfach, ob das Produkt noch gut ist. Auch wenn das Datum bereits überfällig ist, kannst du die meisten Produkte noch weit darüber hinaus geniessen und dabei deinen Sinnen vertrauen.

Wie findest du Too Good To Go?

Es beeindruckt mich, wie viele Menschen mit Too Good To Go erreicht werden. Die Handhabung über die App und der einfache Zugang zu den verschiedenen Anbietern von Lebensmittel ist überzeugend. Super finde ich, dass die grossen Detailhändler begonnen haben mit Too Good To Go zusammenzuarbeiten. 

Ein letztes Wort an unsere Leser?

Du musst nicht alle Bereiche deines Lebens umkrempeln, um nachhaltig zu leben – das werden die wenigsten von uns tun. Suche dir etwas aus, das dir wichtig ist! Dann gehe Schritt für Schritt und freue dich über deine Erfolge.


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Arianna Terzago
Content and community manager

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